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Social Music Networks

I Love My iComm
Social Music Networks auf dem Weg zur besitzlosen Musikgesellschaft

Samstag, 17 Uhr, Panelzelt
Was haben wir nicht immer geprotzt – mit unseren Tonträgerregalen. Tausend Schallplatten an einer Wand konnten nicht irren: Hier muss ja wohl fundamentierter Musikgeschmack zu Hause sein! Mit dem praktisch besiegelten Ende haptischer Musiktonträger braucht es schon eine Digitalanzeige überm Flachbildschirm, die den aktuellen Terrabyte-Stand gespeichterter MP3s visualisiert, um einen ähnlichen Effekt zu erzielen.
Und nicht einmal das würde den Besitz des einst hoch geschätzten Kulturgutes Musik zu einer Bedeutungsrenaissance verhelfen. Denn wie hat es die Kampagne zur Einführung eines durchgefilterten Zeitungsproduktes erst kürzlich sinngemäß formuliert: Was hilft eine pralle Festplatte mit Musik für 400 Jahre, wenn wir doch selbst nicht einmal 200 erleben. Weniger ist angeblich wieder mehr, Bescheidenheit beim täglichen One-Klick-Download-Wahnsinn eine Zier. Werte ex-Musikkonsumenten, macht Euch doch endlich frei von den Zwängen des Besitzes! Ihr meint, das klingt nach Kommunismus? Nennen wir es doch lieber IComm oder den eingeschlagenen Weg der Social-Music-Networks. Nennen wir es Hypemachine (hypem.com), Elbow (elbo.ws) und Blip (blip.fm) – um nur einige zu nennen. Dank jener Mp3-Suchmaschinen, Blogscanner und Streaming-Player ist es praktisch unnötig geworden, Musik selbst zu besitzen. Sobald ein Song in den unendlichen Weiten des Internets eingespeist wurde, ist er hier zu hören. Klar, ganz legal mag das tägliche Hören der neuen The-xx-Single auf der heimischen Stereo ohne Download-Gebühr nicht sein. Aber Schwamm drüber. Als Ausgleich kaufen wir beim nächsten Konzert der Band vielleicht ein Schweißband am Merchandising-Stand , falls wir irgendwo Freikarten gewinnen.

Mit Franka Stenzel (Musikanwältin), Mathias Schaffhäuser (Ware Records), Jan Kühn (Berlin Mitte Institut), David Noël (SoundCloud), Christoph Lange (Simfy); Moderation Sascha „bleed“ Kösch (De:Bug)

So war’s

Musik im Netz – Social und trotzdem kaum Geld

Download Mitschnitt

„Social Music Networks auf dem Weg zur besitzlosen Gesellschaft“ lautete das Thema eines Panels bei der (POP UP Leipzig. Neue digitale Plattformen, Services und Tools, so das Fazit der Runde, machten den zu verteilenden Kuchen für Musikschaffende zwar größer und gleichzeitig die Verteilung breiter – allerdings nicht gerechter. Verdienen tun abermals nur die Großen.

„Wer wird hier eigentlich besitzlos“, wollte Moderator Sascha Kösch vom Magazin De:Bug in seiner Eingangsfrage wissen und gab der Diskussion damit gleich die Richtung vor. Es sind vor allem die Musiker und Labelmacher. Und das, obwohl nahezu alle Zuhörer der gut besuchten Diskussion noch Platten kaufen. Matthias Schaffhäuser, Musiker und Macher der Labels Ware Records stellte trotzdem fest: „Digital kann Vinyl nicht auffangen.“ Allerdings: Was viel im Netz und damit bekannt sei, würde auch mehr gekauft, wusste Schaffhäuser aus Gesprächen zu berichten.

Dass Musik im Netz nicht immer legal oder mindestens rechtlich grenzwertig ist, konnten Jan Kühn und Matthias Kandel vom Berlin Mitte Institut bestätigen. Die beiden produzieren Radio- und Web-TV-Shows und präsentieren Musik vor allem aus der Berliner Technoszene. Ihr Projekt verstehen sie auch als Online-Promotion für Offline-Events. Es gebe, nach Meinung von Kühn, längst eine informelle Übereinkunft aller Beteiligten. Es brauche lediglich einen politischen Rahmen.

Franka Stenzel, Anwältin für Urheber- und Medienrechte, empfahl dennoch, in solchen Konstellationen immer den Kontakt zu den beteiligten Musikern und Labels zu suchen und sich die Rechte freigeben zu lassen. „Für junge Musiker und Bands ist es nicht mit einem myspace-Auftritt getan“, berichtete Stenzel weiter. Homepage, CDs. T-Shirts und Marketing seien ebenso Bausteine für den Erfolg wie Durchhaltevermögen und mehr als ein guter Song.

„Neue Bands müssen eigentlich agieren wie ein Start-Up“, bestätigte David Noël vom Musiknetzwerk SoundCloud. Dazu gehöre eben auch, in rechtlichen Fragen fit zu sein.
Die neuen Möglichkeiten von Social Music Netzwerken als Chance begreifen wollte Mitbegründer der Musikplattform Simfy.de, Christoph Lang. Mit seiner Plattform plant er künftig Geld zu verdienen mit allerlei mobilen Zusatzfeatures als Premiumdiensten.

Matthias Schaffhäuser brachte am Ende auf den Punkt, warum noch heute über das Thema geredet wird: „Die Industrie ist schuld!“ All diese Shops hätten schon längst installiert sein können, spätestens mit dem Aufkommen von Napster. „Das war 1999!“