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2002

(Pop Up 20023. bis 4. Mai

Parole Pop
Popkultur in Leipzig. Ein Festival, eine Messe. Mit Künstlern und Ausstellern aus einem Wirtschaftszweig, von dem es heißt, ihm stünde das Wasser bis zum Hals. Steigende Preise, Raubkopien, Entlassungen bei Plattenfirmen, Dudelfunk fürs Volk, Popstars in Serie – alle reden von Krise. Was – je nach Position im und Sichtweise auf den Musikbetrieb – „Absatzeinbruch“ oder „Ausverkauf“ bedeutet. Die Stimmung, jedenfalls, ist flau. Und ausgerechnet jetzt soll eine neue Messe aus dem Boden gestampft werden?
Ja, denn Jammern rettet die Welt nicht. Popmusik wahrscheinlich auch nicht, aber zumindest darüber kann man sich schon wieder streiten. Und wer Popmusik liebt, liebt es genauso, sich darüber zu streiten. (Wir nennen das dann allerdings lieber Diskurs, was heißt, es geht zwar mit genau so viel Inbrunst zur Sache, aber es gibt einen Moderator.) Genau darum geht es bei Pop Up. Miteinander reden. Sich kennen lernen. Meinungen austauschen und Musik. Von Musiker zu Musikfan, von Musikfan zu Labelchef, von Labelchef zu Fanzineschreiber, von Fanzineschreiber zu Musiker. Das soll Popkultur in Leipzig ausmachen. „Independent Pop Kultur“, genauer gesagt. Popkultur, die alle ernst nimmt, die sich zuerst für Kreativität interessieren, nicht für Verkaufserwartungen, Karriere oder Stardom. Für Popmusik halt, wie auch immer sie für den Einzelnen im Idealfall klingen mag, mit klassischen Songs, Breakbeats, Wummerbässen oder oder oder …
„Wir sind unverbesserlich / unbelehrbar / verrückt / hoffnungslos blauäugig … oder einfach nur bescheuert – aber wir wollen ein neues Popfestival in Leipzig!“ So hieß es im ersten Anschreiben zu Pop Up. Die Vorgeschichte dieses Festivals ist keine rühmliche. Nicht mal eine hoffnungsvolle. Bands wurden um Gagen geprellt, genauso wie Mitarbeiter, Clubs und gutwillige Unterstützer, die trotz Bauchschmerzen im Vorfeld an die „gute Sache“ glaubten. Geblieben ist ein Scherbenhaufen, ein sich hinziehendes juristisches Nachspiel und ein schwerwiegendes „Imageproblem“. Geblieben ist aber auch der Glaube, dass man es anders machen kann. Ohne „kommerzielle“ Hintergedanken. Mit Pop-Kompetenz und gutem Geschmack. Natürlich mit Idealismus. Und mit einer Menge Arbeit, für die keiner der Beteiligten auch nur einen Cent sehen will/wird. Dafür selbstbestimmt und gemeinsam.
Nie zuvor hat es in der Leipziger Musikszene ein so breites Bündnis an „Machern“ gegeben, die an einem Strang ziehen, die mitmachen, unterstützen, ihre Sicht auf Popkultur einbringen. Das verstehen wir unter „independent“. Wir sind bestimmt weit davon entfernt, perfekt zu arbeiten. Aber auch darum geht es: Erfahrungen sammeln, etwas aufbauen, Grundlagen schaffen für die nächsten Jahre. Pop Up soll sich entwickeln, will ernst genommen werden und ein Forum schaffen für alle, die sich mit Popkultur auseinandersetzen wollen. Und zuallererst soll Pop Up Spaß machen. Ob auf der Messe, bei einer Podiumsdiskussion, im Konzert oder auf der Tanzfläche. „Come gather ’round people“, hieß es bei Dylan. Heute würde man vielleicht einfach nur sagen: „Let me entertain you!“ Ist ja auch nicht schlecht.
Das Pop Up-Team

35007 • Amon • Barra Head • Booga • Carlos Arellano • CFM • Copola • Drehmoment DJ-Team • Elektronischer Sonntag Spezial • Fauna Flash • Groovysella • Kabuki • Karate • Knarf Rellöm • Le Garçons • Le Hammond lnferno • Marlow • Martin Landsky • Master PA • Matthias Soundworld • Matthias Tanzmann • Ming • Missouri • Monostars • Nanobot • Palestar • Payola • Pitchtuner • Ronin • Slowhand E • Solarscape • Stickman DJ-Team • Tadpole • Tenfold Loadstar • Veranda Music • Willkommen Zu Hause Laika • Zorn

(Pop Up Programmreader 2002
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