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Palim-Palim – Plemm-Plemm?

Viel Lärm umd Nichts
Popkritik ist tot, es lebe die Popkritik!

Moderation:
Matthias Puppe ((Pop Up), Thyra Veyder-Malberg ((Pop Up, KREUZER)

Es diskutieren:
Gunnar Otte (Universität Leipzig)
Max Dax (Spex)
Stephan Rath (Medienberater Tocotronic, tbc)
Tom Weber (Persona Non Grata)

Samstag, 12.5., (Pop Up Messe im Werk II, 16 Uhr

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Es geht um Inhalte! Zumindest behaupten wir das hartnäckig – aber stimmt das denn? Derzeit häufen sich die Klagen, dass es zwischen Pop und relevanten gesellschaftlichen Themen immer weniger Berührungspunkte gibt und sich Beliebigkeit ausgebreitet hat. Und in der Tat: Die Castingshows voller Nullen in jeder Hinsicht boomen und Bands vom Typ Julimondrevolverhelden, verbreiten zwar nur Belanglosigkeiten, verkaufen sich aber trotzdem – oder gerade deswegen? – wie geschnitten Brot.
Doch vor allem die Rezeption von Pop hat sich spürbar verändert: Im Fernsehen ist neue, interessante Musik schon seit der Abschaffung von Viva2 nicht mehr vertreten, inzwischen haben die Musiksender fast völlig aufgehört Musik zu spielen, geschweige denn, darüber zu sprechen. Stattdessen dürfen wir Hugh Hefners Gespielinnen sehen, und schlimmer: hören. Und auch in den Magazinen bereitet sich zusehends Belanglosigkeit aus. Kaum ein kritischer Artikel, dafür aber haufenweise verzichtbare Modestrecken. Und auch die Rezensionen sind meist eher Werbung als Auseinandersetzung. Selbst wenn ein Künstler sich mit gesellschaftlichen Themen verarbeitet oder sich auf andere Künstler bezieht, ist davon selten etwas zu lesen.
Die Popkritik scheint nach langer schwerer Krankheit gestorben zu sein. Das ist nicht nur beklagenswert, da sie in letzter Zeit ohnehin nur noch sich selbst, nicht aber ihren Gegenstand besprach. Auch Web 2.0 brachte keine Erlösung für den gepeinigten Musikfan: In den Blogs kann man kluge Sätze über Musik und ihre gesellschaftliche Relevanz mit der Lupe suchen. So weit die – zugegebenermaßen gefühlten – Veränderungen der letzten Zeit.
Pop kann nicht ohne die Gesellschaft, bzw. die Teile, die ihn hervorbringen betrachtet werden. Nachdem er so schnelllebig ist, kann er Trends und gesellschaftliche Veränderungen schneller widerspiegeln als andere Ausdrucksformen. Das ist ja gerade das Schöne und Interessante daran. Was aber sagt es uns, wenn nichts mehr gesagt wird?
Ist die These vom Pop als Stilprotest noch haltbar? Ist Popmusik zum austauschbaren Lifestyleprodukt zwischen Handys und Klamotten verkommen? Werden gesellschaftliche Themen nur anderswo oder gar nicht mehr reflektiert? Und vor allem: Was läuft schief in unserer Gesellschaft, dass David Hasselhoff ausgerechnet in Deutschland so viele Platten verkauft?
Will man das alles wirklich wissen? Egal. Wir fragen trotzdem nach, und zwar bei illustren Gästen. Die Antworten kann man ja dann zur Not verdrängen.