popuparchiv_header_30
  • Suche

Alles so schön bunt hier

Musikvideos nach dem Tod des Musikfernsehens
Zeit und Ort: 16. Mai 2009, 11.30 Uhr im Volkspalast, Westflügel
mit: Massuda Kassem (Regisseurin) Andreas Dorau (Künstler), Uwe Viehmann (Hobnox), Tobias Trosse (Putpat), Prof. Dr. Christoph Jacke (Kulturwissenschaftler Universität Paderborn)

Download Mitschnitt

Musikvideos nach dem Tod des Musikfernsehens Das Visuelle wird die physischen Tonträger ersetzen Leipzig – Wie haben sich Musikvideos verändert seit die Budgets geschrumpft, die technischen Möglichkeiten vielfältiger und damit die Verbreitungskanäle andere geworden sind? Und wie steht es vor diesem Hintergrund um die Überlebenschancen des Musikvideos? Im Rahmen der (Pop Up haben sich Vertreter aus Produktion, Plattformbetreiber und Wissenschaft auseinandergesetzt.

Musik und Fernsehen – zwei Märkte, die es in den letzten Jahren knüppelhart getroffen hat. „Aber Fernsehen ist nicht tot“, so Tobias Trosse, der im Moment mit dem Aufbau des neuen Musikfernsehens Putpat befasst ist, einer Mischung aus MTV und last.fm. „Es wird soviel Fernsehen konsumiert, wie seit langem nicht mehr.“ Das Problem seien die ergänzenden Angebote im Internet. „Der große Fluch von YouTube ist, dass es da alles gibt.“

Auf YouTube gebe es eine riesige Szene von Mashup-Videomachern, denen Copyright völlig egal ist. „Wenn man das sieht, weiß man, wohin der Hase läuft“, so Stefan Müller, freier Journalist und Moderator bei byte.fm. „Eine kreative Idee reicht um über Internet-Plattformen ein weltweites Publikum zu erreichen – und das kostenlos.“

Massuda Kassem, Musikvideo-Produzentin bei Mutter & Vater Filmproduktion, hat keine Angst vor dieser Konkurrenz. „Wir haben Budgets von zwei- bis siebzigtausend Euro zur Verfügung. Der Anspruch reicht vom Musikvideo als Promotool bis zum Kunstprodukt“. In den letzten Jahren gingen die Budgets nach unten, seit einiger Zeit habe sich das Level aber wieder stabilisiert. „Es gibt vereinzelt auch wieder größere Budgets“, so Kassem.

Prof. Dr. Christoph Jacke, Kulturwissenschaftler für populäre Musik und Medien, stellt fest: „Musikfernsehen ist Jugendfernsehen geworden und hat sich deutlich von der Musikspezifikation entfernt. Die Kunst-Kommerzfrage findet auf allen neuen Plattformen wieder neu statt, allerdings wesentlich ausdifferenzierter.“

„Es ist aber nicht einfach, Fernsehen im Internet nachzustellen, denn es ist ja alles extrem teuer“, weiß Uwe Viehmann von der Online-Plattform Hobnox aus Erfahrung zu berichten. Für die Ausstrahlung aufwändig produzierter Videos im Internet halten viele die Hand auf: GEMA, Künstler, Produzenten. Da die User noch nicht bereit sind für Online-Content zu bezahlen, bleibt für die Finanzierung nur die werbetreibende Wirtschaft. Doch die zweifele an den Reichweiten der Neuen Medien und halte sich dementsprechend zurück.

Aber das Musikvideo und spezifische fernsehähnliche Angebote haben grundsätzlich gute Aussichten: Mit dem Verschwinden physischer Tonträger, ersetzt das Visuelle zukünftig die Haptik. Und das nicht nur in Form des klassischen Musikvideos. Künstler werden durch ihr ganzes Leben begleitet – in Bild und Ton. „Und diese ständige Berichterstattung ist vielleicht das Plattencover, an das wir uns früher gekuschelt haben“, prognostiziert Viehmann.