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Wann ist die GEMA sinnvoll?

Musik-Vergütung und Rechtesicherung
Zeit und Ort: 16. Mai 2009, 13 Uhr, Volkspalast, Westflügel
mit: Andreas Knauf (Rechtsanwalt), Frank Dostal (stellv. Vorsitzender des Aufsichtsrates GEMA), Frank Kühl (Smarten-Up! Musikverlag) und einer Einführung von Peter James (stellv. Vorsitzender VUT)

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Eine Mitgliedschaft in der GEMA will gut überlegt sein. „Wann ist GEMA sinnvoll?“ fragt ein Forum auf der (Pop Up aus dem Blickwinkel von Musikerinnen und Musikern. Einhelliges Fazit der Diskutantinnen und Diskutanten: Sinnvoll ist eine Mitgliedschaft nur dann, wenn man über seinen Bekanntenkreis hinaus veröffentlichen und mittelfristig mit seiner Arbeit Geld verdienen will.

Lediglich drei Besucher des gut besuchten Podiums sind Mitglieder der GEMA. Ein Indiz für die kritischen Vorbehalte gerade im Indie-Bereich, wie Moderator Andreas Gebhard, Geschäftsführer vom newthinking communication konstatiert. Peter James vom VUT verweist darauf, dass die GEMA eine Solidargemeinschaft ist, bei der man mitwirken könne. Er könne die Kritik derer nicht verstehen, die nicht bereit sind, aktiv für Verbesserungen einzutreten.

Was genau die Aufgaben der GEMA sind, bringt Frank Dostal, deren stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, griffig auf den Punkt: „Kassieren, helfen, fördern.“ Wer nichts zu kassieren habe, brauche auch kein GEMA-Mitglied werden.

Der immense Verwaltungsaufwand schreckt viele vor allem junge Künstlerinnen und Künstler von einem Eintritt ab. Frank Kühl, mit seinem Musikverlag Smarten-up! selbst GEMA-Mitglied fordert daher, den Aufwand deutlich zu reduzieren und mehr Transparenz zuzulassen. Der Verteilerschlüssel beispielsweise, mit dem die GEMA die Lizenzvergütungen an ihre Mitglieder ausschüttet, sei „ein Kunstwerk“.

Ähnliches weiß Andreas Knauf, Rechtsanwalt für Urheberrecht, zu berichten: „Die Kommunikation mit der GEMA und die Abläufe sind kompliziert. Da wissen die Sachbearbeiter manchmal selbst nicht weiter.“ Seinen Mandanten, so Knauf, rate er deshalb von einem Eintritt ab, wenn sie keine kommerziellen Interessen mit ihrer kreativen Arbeit verfolgen.

Ein Zuschauer, DJ und Veranstalter von D’n’B-Partys berichtet von seinen Problemen mit der GEMA. Für eine kommerzielle Party habe er 100 Euro Gebühren zahlen sollen, obwohl er ausschließlich GEMA-freie Musik gespielt habe. Die Beweislast lag bei ihm und er musste eine Liste aller Künstlerinnen und Künstler erstellen, deren Stücke er gespielt hatte. GEMA-Vermutung heißt das im Juristen-Deutsch und besagt, dass die GEMA bei Musikstücken grundsätzlich eine Registrierung annimmt, bis der Verbraucher die Nichtmitgliedschaft der Urheber nachweist.