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Girls Who Are Boys, Who Like Boys To Be Girls …

Sexismus, Political Correcness und Gender Mainstreaming im Pop
Zeit und Ort: 16. Mai 2009, 14.30 Uhr im Volkspalast, Westflügel
mit: Stefanie Lohaus (Missy Magazin), Zacker (Veranstalter), Sushila Mesquita (Musikerin), Katja Röckel (Mrs. Pepsteins Welt), Thyra Veyder-Malberg ((Pop Up)

Woran liegt es, dass Frauen – selbst im relativ aufgeklärten Indie-Sektor – immer noch auf den Bühnen derart unterrepräsentiert sind? Welche Strukturen und Rollenverständnisse liegen dem zu Grunde? Sind Gender-Schutzräume wirklich noch notwendig oder verstärken sie mittlerweile das Problem? Um diese Fragestellungen kreiste die Debatte. Denn dass es hier nach wie vor ein Problem gibt, darin waren sich alle Diskutanten einig.

Stefanie Lohaus zitierte aus einer Studie, der zufolge in der Hamburger Szene nicht mehr als zehn Prozent Frauen auf den Bühnen der Hansestadt stünden. Und davon seien der überwiegende Teil Sängerinnen. Trotz aller Defizite, so betonte Sushila Mesquita, habe sich viel getan. So gebe es deutlich mehr Frauenbands und ebenso viele starke Netzwerke, die beginnen, Früchte zu tragen. Dennoch befinde sich dieser Prozess noch immer am Anfang. Schutzräume für Frauen und Queers sind in vielen Bereichen durchaus sinnvoll, so Mesquita. Schutz im bildlichen Sinne: gewaltsame Übergriffe auf Queers oder Transgenders kämen leider immer noch vor.

Das Publikum bemerkte an dieser Stelle eine zu starke Konzentration auf den Schutzbegriff. Wenn Frauen und Queers Räume besetzten, gehe es längst nicht immer um das Behüten von Opfern. Vielmehr seien diese Räume oft von Exklusivität geprägt, und würden sich aktiv angeeignet. Zacker hielt beide Aspekte für relevant. Die von ihm organisierten Partys seien Raum für Schutz und Exklusivität zugleich. Zudem sei er stets bemüht, für ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis auf der Bühne zu sorgen.

Alfred Hilsberg sieht ein strukturelles Problem durch das Rollenverhalten der Männer. In ihren Bands wollten sie unter sich bleiben, das Selbstverständnis ist sehr maskulin. Die Wahrnehmung der Frauen in der Musik hänge einzig an den Frontfrauen, aber das ändere wenig an den quantitativen Fakten. Den männlich dominierten Mythos des Rocks stellte auch Jens Friebe fest. Friebe hat mit seinem ersten Albumcover, auf dem er sich feminin anmutend darstellte, für einige Diskussionen unter seinen Kollegen gesorgt.

Als weitere Gründe für die Unterrepräsentanz der Frauen in der Musikkultur wurden auch fehlende Zugänge zu den Clubs und zu den Medien herausgestellt. Stefanie Lohaus will zumindest dem medialen Defizit mit ihrem Missy Magazin (zusammen mit Sonja Eismann und Chris Köver) entgegen wirken. „Wenn man etwas für Frauen tut, heißt das ja nicht, dass man was gegen Männer hat“, so Lohaus. Auch das im August erstmals in Deutschland stattfindende Girls-Rock-Camp für Mädchen zwischen acht und sechzehn Jahren, sei ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.