{"id":1044,"date":"2011-03-14T20:00:07","date_gmt":"2011-03-14T19:00:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.leipzig-popup.de\/?page_id=1044"},"modified":"2016-03-04T14:30:30","modified_gmt":"2016-03-04T13:30:30","slug":"digitaler-vertrieb","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/leipzig-popup.de\/?page_id=1044","title":{"rendered":"Alternative Vertriebsstrategien"},"content":{"rendered":"<p><strong>Klick mich, ich bin ein neues Album!<\/strong><br \/>\n<em>Neue Herausforderungen f\u00fcr Musikvertrieb und -vermarktung<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#zusammenfassung\">Zur Zusammenfassung der Diskussion<\/a><\/p>\n<p><a href=\"stuff\/2011\/panelmitschnitte\/popup2011_panel_alternativvertrieb.mp3\" Target=\"_blank\">Download Komplett-Mitschnitt<\/a> (MP3, ca. 32 MB)<\/p>\n<p>Die alte Dame Kapitalismus siecht so vor sich hin, wie die letzten drei Jahre zeigten, und setzt immer mehr althergebrachte Produktions-, Verbrauchs- und Konsummuster frei. F\u00fcr die Musikwirtschaft ist das freilich nichts neues, denn seit der Internetrevolution sind die M\u00f6glichkeiten und damit aber auch Unsicherheiten gewachsen, Musik an den geneigten H\u00f6rer zu bringen. Vertriebswege diversifizieren und multiplizieren sich, kaum jemand kann da noch folgen. Kundenbindung \u2013 ein magisches Wort aus alten Tagen?<\/p>\n<p>Labels und Vertriebe scheinen da obsolet geworden zu sein (und doch gibt es sie noch!), denn eigentlich kann man alles allein organisieren. Aber will man das als K\u00fcnstler oder Band auch? Sollte nicht besser das Musik-Schaffen im Vordergrund stehen statt das Ranschaffen von Geld? Denn das braucht man immer noch, will man eine gute Aufnahme mit einer ordentlichen Produktion realisieren.<\/p>\n<p>Hat man sich nun doch zum selbstorganisierten Komplettpaket entschlossen, stellt sich also die Frage nach den Produktionskosten! Doch woher nehmen? Kredit von der Bank? Crowdfunding? Fan-Aktien? Kann man \u00fcberhaupt so viel Geld durch diese Modelle einnehmen, dass die Kosten gedeckt werden? Und wie mache ich im digitalen Rauschen des WWW auf mich und mein Projekt aufmerksam?<\/p>\n<p>Doch auch etablierte Labels m\u00fcssen sich, so scheint es, neue Produktformen und -vertriebswege einfallen lassen. Boxsets, Fanpakete, Abo-Systeme \u2013 wof\u00fcr gibt der H\u00f6rer noch Geld aus? Oder hat er es l\u00e4ngst in mp3-Downloads gesteckt?<\/p>\n<p>Sowohl aus Sicht der Musiker als auch der Labelbetreiber sollen auf dem Forum die erw\u00e4hnten Modelle vorgestellt und die resultierenden Fragen diskutiert werden. Vielleicht zeigt sich ja, wie dem drohenden Bankrott am besten ein Schnippchen geschlagen werden kann. Und am Ende lassen wir &#8217;nen Hut rumgehen \u2026<\/p>\n<p><a name=\"zusammenfassung\"><\/a><br \/>\n<em>Mit Stephan Popp (Vision Bakery), Gregor Samsa (Sounds Of Subterrania), Andreas Bischof (Analogsoul), Oliver Sittl (Believe Digital), Marcus Richter (Moderator; Radio Fritz).<\/em><\/p>\n<h2>Die Zusammenfassung der Diskussion<\/h2>\n<p><strong>\u201eDie Fans dort abholen, wo sie sind\u201c<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"stuff\/2011\/panelmitschnitte\/popup2011_panel_alternativvertrieb.mp3\" Target=\"_blank\">Download Komplett-Mitschnitt<\/a> (MP3, ca. 32 MB)<\/p>\n<p>Den erfolgreichen Auftakt der Pop Up X machte das Panel \u201eKlick mich, ich bin ein neues Album!\u201c Vor vollbesetzten St\u00fchlen diskutierten Andreas Bischof vom Leipziger Band-Netzwerk analogsoul, Sounds of Subterrania-Labelbetreiber Gregor Samsa, Stephan Popp, der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Leipziger Crowdfunding-Plattform Visionbakery, und Oliver Sittl vom Digitalvertrieb Believe Digital mit Radio Fritz-Moderator Marcus Richter \u00fcber alternative Vermarktungsstrategien im Musikbereich.<br \/>\n\u201eMan muss schon ein bisschen kreativ sein, um die Kohle f\u00fcr eine Plattenproduktion zusammenzubekommen\u201c, so das Urteil Bischofs, der mit analogsoul seit gut drei Jahren nach alternativen Finanzierungswegen f\u00fcr Musik sucht und sich nach eigener Aussage so manchem Mechanismus des kapitalistischen Musiksystems verweigert. Zum Beispiel durch CD-Produktion on demand oder Vorfinanzierung der Releases mit Hilfe von \u201emodernem Subskriptionskauf\u201c namens Crowdfunding. \u201eWenn die Fans wissen, dass sie selbst Teil einer Sache werden k\u00f6nnen und eine einzigartige Gegenleistung wie etwa ein Wohnzimmer-Konzert oder ein handsigniertes Einzelst\u00fcck bekommen, stecken sie gern Geld in ein Projekt\u201c, so Stephan Popp, der mit seiner Plattform Visonbakery schon einige Musikprojekte erfolgreich unterst\u00fctzte. Der Vorteil des Crowdfunding-Modells, bei dem Fans musikalische Projekte durch Spenden erm\u00f6glichen, ist die Risikofreiheit f\u00fcr Initiatoren und Unterst\u00fctzer. \u201eEntweder die gew\u00fcnschte Summe kommt innerhalb von 55 Tagen zusammen und das Projekt wird realisiert oder alle Spender bekommen ihr Geld zur\u00fcck.\u201c Besonders wichtig f\u00fcr die erfolgreiche Umsetzung: die Verbreitung \u00fcber das Internet. Fans werben andere Fans \u00fcber soziale Netzwerke wie Facebook &#8211; \u201ewenn Netzwerke nicht als Einwegkommunikation begriffen werden, wenn man die Fans nicht als Vertrieb, sondern selbst als Fan anspricht, bergen Social Networks enormes Potenzial f\u00fcr das Publikmachen neuer Musik\u201c, meint Bischof, der mit Gregor Samsa in der Ansicht \u00fcbereinstimmt, dass Musik wieder zunehmend als Kulturgut und nicht als Ware begriffen werden sollte. \u201eJe mehr Menschen es gibt, die mit Musik Geld verdienen wollen, desto teurer werden CDs\u201c, so Samsa, der sich mit seinem Label vor allem auf Vinyl spezialisiert hat. \u201eSaturn hat ohnehin das CD-Regal gekillt\u201c, meint Oliver Sittl, der lange f\u00fcr BMG t\u00e4tig war und wei\u00df, dass es heute nur \u00fcber irrsinnige Rabatte m\u00f6glich ist, in den Handel zu kommen. Deswegen sieht auch er die Zukunft des Vertriebs in der Interaktion zwischen Fans und Machern und hat deswegen einen Player entwickelt, der die virale Kommunikation erleichtert. Weil man \u201edie Leute dort abholen muss, wo sie sind\u201c sammelt das Tool automatisch Mailadressen, verschickt Newsletter, bietet einen direkten Kauflink und macht Verk\u00e4ufe und weltweite Social Activities direkt nachvollziehbar &#8211; \u201edas Schweizer Taschenmesser des Musikvertriebs.\u201c<br \/>\nGregor Samsa, der nach wie vor vor allem auf tolle Live-Erlebnisse als Kaufargument setzt, akquiriert seine Kunden \u00fcber Mailorder und kreative Aktionen. F\u00fcr eine Ver\u00f6ffentlichung des Musikers AMOS gestalteten beispielsweise K\u00fcnstler aus 40 L\u00e4ndern 400 je einzigartige Cover. \u201eBei all den vielen tollen Ideen, die man aust\u00fcftelt, um K\u00fcnstler bekannt zu machen, sollte man aber immer darauf achten, dass jede Form von Musik anders an den Mann gebracht werden muss.\u201c<br \/>\nW\u00e4hrend Samsa meint, dass Musikmagazine sich selbst \u00fcberfl\u00fcssig gemacht haben, weil sie Bands nur noch gegen Bares rezensieren, ist Andreas Bischof nach wie vor der Meinung, dass die gezielte Platzierung von Rezensionen und der pers\u00f6nliche Kontakt zu versierten Journalisten entscheidend zum Absatz von Ver\u00f6ffentlichungen beitragen k\u00f6nnen. Oliver Sittl hingegen h\u00e4lt das Netz f\u00fcr \u201edas Feuilleton der Neuzeit \u2013 im Internet kannst du unique sein, da musst du nicht ins Fernsehen oder auf die Titelseite!\u201c<br \/>\nFakt ist jedoch,dass drei der vier Diskutanten nach wie vor nicht vom Musikvertrieb leben k\u00f6nnen, f\u00fcr Gregor Samsa ein bewusster Entschluss: \u201eJeder K\u00fcnstler, der sich f\u00fcr den Weg entschieden hat, dass er mit Musik etwas ausdr\u00fccken und nicht nur Geld scheffeln will, wei\u00df, dass er nachts in einem Nebenjob schuften muss \u2013 wieso soll ich als Label also nicht auch nebenbei arbeiten.\u201c Die einzige W\u00e4hrung, die f\u00fcr ihn z\u00e4hlt: \u201eDas Gl\u00fccksgef\u00fchl nach einem grandiosen Konzert.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klick mich, ich bin ein neues Album! 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