{"id":1040,"date":"2011-03-14T19:57:35","date_gmt":"2011-03-14T18:57:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.leipzig-popup.de\/?page_id=1040"},"modified":"2016-03-04T14:31:07","modified_gmt":"2016-03-04T13:31:07","slug":"erwachsenwerden","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/leipzig-popup.de\/?page_id=1040","title":{"rendered":"Erwachsenwerden"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hyperschrei und Drei-Faltentum<\/strong><br \/>\n<em>\u00dcber das Erwachsenwerden in und mit Popkultur<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#zusammenfassung\">Zur Zusammenfassung der Diskussion<\/a><\/p>\n<p><a href=\"stuff\/2011\/panelmitschnitte\/popup2011_panel_erwachsenwerden.mp3\" Target=\"_blank\">Download Komplett-Mitschnitt<\/a> (MP3, ca. 34 MB)<\/p>\n<p>Von Mod bis Hipster &#8211; schon immer gab es bestimmte Zugeh\u00f6rigkeiten, Szenen und Fankulturen, zu denen man sich als Jugendlicher hingezogen f\u00fchlte. Doch wie ist das, wenn man erwachsen wird beziehungsweise erwachsen werden will&#8230;Muss man sich seiner Szene entziehen, um als &#8222;Jetzt bin ich erwachsen!&#8220; durchzugehen &#8211; sprich das vermeintliche Fan-Sein sein lassen, um der Lebens-Karriere eine Chance zu geben? Wir wollen herausfinden, inwieweit sich das Verh\u00e4ltnis zwischen Fans und ihren Idolen in den letzten Jahren ge\u00e4ndert hat und ob es nachhaltiger oder nur schnelllebiger geworden ist. <\/p>\n<p>Und welchen Bezug haben alte Idole auf neue, frische K\u00fcnstler selbst? Schlie\u00dflich ist der R\u00fcckbezug beziehungsweise die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer bestimmten Szene f\u00fcr die eigene K\u00fcnstlerdefinition ausschlaggebend. Schaut man zumindest auf die Rezensionen und Storys der journalistischen Kollegen &#8211; dort gl\u00e4nzt der ewige Vergleich &#8211; welche Band klingt wie welche bereits bekannte Band, welcher K\u00fcnstler hat von wem ein Scheibchen abgeschnitten? Der R\u00fcckbezug, besser, der generelle Bezug zu gelebter Szenekultur scheint auch da unausweichlich. Vielleicht ist es das, was einen K\u00fcnstler ausmacht: die Mischung aus Einfl\u00fcssen und dem Selbst-Fan-Sein, um wiederum Fans zu binden, um selber Idol zu sein.<\/p>\n<p>Doch welche Chancen hat Fankultur heutzutage noch und wie kann die Branche selbst davon (wieder) profitieren? Auch die m\u00f6gliche Einbindung des Fans im Heute und Morgen, ohne ihn im Sumpf der digitalen Welt zu verlieren, wollen wir er\u00f6rtern.<\/p>\n<p>All dies, gekoppelt mit viel Publikums-Interaktion, soll beim Panel diskutiert werden.<\/p>\n<p><a name=\"zusammenfassung\"><\/a><em>Mit J\u00f6rn Morisse (Kulturwissenschaftler, Autor), Philipp Ikrath (Institut f\u00fcr Jugendkulturforschung Hamburg), Edi Winarni (S\u00e4nger der Band MIT), Yessica Yeti (Musiker, Autor); Moderation: Torsten Gro\u00df (Rolling Stone).<\/em> <\/p>\n<h2>Die Zusammenfassung der Diskussion<\/h2>\n<p><strong>\u201eSchminke h\u00e4lt nicht so lange wie eine Idee\u201c<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"stuff\/2011\/panelmitschnitte\/popup2011_panel_erwachsenwerden.mp3\" Target=\"_blank\">Download Komplett-Mitschnitt<\/a> (MP3, ca. 34 MB)<\/p>\n<p>Das Erwachsenwerden in und mit Popkultur stand im Mittelpunkt des Panels \u201eHyperschrei und Dreifaltentum\u201c am Samstagnachmittag der Pop Up X. Moderator Thorsten Gro\u00df vom Rolling Stone diskutierte mit dem Kulturwissenschaftler und Autor J\u00f6rn Morisse, Philipp Ikrath vom Institut f\u00fcr Jugendkulturforschung Hamburg, dem Musiker und Musikjournalist Yessica Yeti, dem S\u00e4nger der Band MIT Edi Winarni ebenso wie mit dem interessierten Publikum. Im Mittelpunkt standen dabei das \u00c4lterwerden aber auch die Ver\u00e4nderung von Jugendkulturen.<br \/>\nOb man sich nun geschmeichelt f\u00fchlen sollte, Gast auf einem Panel zum Thema \u201e\u00c4lterwerden\u201c zu sein, wollte keine der Diskutanten beantworten. Es sei aber, wie Moderator Thorsten Gro\u00df feststellte, eine Frage, mit der man sich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter besch\u00e4ftigen muss \u2013 auch im popkulturellen Bereich. So stellte Philipp Ikrath zu Beginn die These auf, dass sich das \u00c4lterwerden in den letzten Jahren stark ver\u00e4ndert hat. Statt klar definierter Lebensphasen und \u00dcberg\u00e4nge wie von der Popkultur in die Welt der Erwachsenen herrscht heute \u201edas Bild der coolen Connewitzer Mutter\u201c in den St\u00e4dten und Ballungsr\u00e4umen. Eine gebildete Schicht Gro\u00dfst\u00e4dter, die flexibel und kulturell neugierig bleibt. Andererseits ist es schwierig, ein \u201ealtersad\u00e4quates Verhalten\u201c zu zeigen: J\u00f6rn Morisse w\u00fcnscht sich mehr altgediente Musiker, die mit 64 Jahren einfach \u201ebeige anziehen und Tauben z\u00fcchten\u201c, statt sich dem \u201eVer\u00e4nderungszwang\u201c (Philipp Ikrath) zu ergeben. Yessica Yeti verwies dagegen auf den Unterschied zwischen Medienschaffenden, der zwangsl\u00e4ufig mit der Popkultur altert, weil man sich automatisch mit dieser besch\u00e4ftigt und Texte produziert, und dem Musiker, der irgendwann nicht mehr als \u201eopinion leader f\u00fcr 17j\u00e4hrige M\u00e4dchen\u201c funktioniert. Als junger Musiker ist dieses \u201eMarktdenken\u201c und das Nachdenken \u00fcber das Klientel der eigenen Musik, so Edi Winarni, aber nicht relevant, denn es geht darum, die Erfahrungen der Vorbilder nach zu empfinden.<br \/>\nIn den gegenw\u00e4rtigen Jugendkultur gibt es f\u00fcr Yessica Yeti \u201enichts mehr zu entdecken\u201c, da diese zu \u201eunspeziell\u201c w\u00e4re und keine Chance auf Identifikation bieten w\u00fcrde. So erg\u00e4nzte Torsten Gro\u00df, dass es nur noch eine weitere Vertiefung der bereits ausformulierten Genres in der Popkultur geben. Provokation bildet einen wesentlichen Teil jugendlicher (Sub-)Kulturen. Nach Philipp Ikrath gibt es aus dem linksalternativen Spektrum aber keine M\u00f6glichkeiten des Aufbegehrens mehr, weil diese Leitwerte bereits zum gesellschaftlichen Konsens geh\u00f6ren.<br \/>\nDie Bindungskraft der Jugendkulturen ist heute nicht mehr gegeben. Stattdessen werden Jugendkulturen als Freizeitprogramm wahrgenommen, in denen Werte und Rituale als wichtige Komponenten von Jugendkulturen in den Hintergrund r\u00fccken. Philipp Ikrath beschreibt die Rituale, die sich \u00fcber Jahre hinweg zur Folklore entwickelt haben, als \u201eetwas liebenswertes\u201c ohne gesellschaftliche Relevanz. Doch statt Kulturpessimismus bieten die aufgeweichten Genre- und Kulturgrenzen f\u00fcr Torsten Gro\u00df auch Chancen in der musikalischen Entwicklung. Ohne klare Abgrenzungen und Reibungsfl\u00e4chen gibt es auch, wie bei Edi Winarni, Ber\u00fchrungspunkte zwischen Britpop und franz\u00f6sischen Elektro in den 1990er. Ein Publikumsgast sah dar\u00fcber hinaus eine Verbindung zwischen der Diversifikation der Kulturen und dem Verlust der Kaufkraft in der Musikszene, da einzelne Tracks unspezifischer konsumiert werden als genrespezifische Alben.<br \/>\nDie Identifikation mit einer spezifischen Jugendkultur zeigt sich f\u00fcr \u201eAlt-Punker\u201c Yessica Yeti haupts\u00e4chlich im Denken und Einstellungen. Dass sich diese Werte, wie J\u00f6rn Morisse anmerkte, in einer Geheimloge \u201ePunk\u201c erarbeitet werden mussten, steht im Gegensatz zum  heutigen \u201eallumfassenden Blogwissen\u201c. Auch f\u00fcr Edi Winarni gibt es keine \u201eSzene\u201c mehr und nur \u201eeine Handvoll Bands, die die gleiche Idee\u201c verfolgen. \u201eJeder verwirklicht sich selber\u201c und h\u00f6chstens das Sammeln von Alben strahlt Authentizit\u00e4t aus. Die gewaltsamen Rituale fr\u00fcherer Jugendkulturen kann Winarni nicht mehr nachvollziehen. Die Verweigerung negativen Denkens und die Frage, \u201ewo eigentlich der Hass geblieben\u201c (J\u00f6rn Morisse) sei, scheint f\u00fcr die \u00e4ltere Generation bestimmend beim Blick auf die Jugend zu sein. Im Vordergrund stehen heute Toleranz und positives Denken, denn negatives Denken gilt mittlerweile gesellschaftlich als kontraproduktiv. Dass sich Toleranz dabei als Ausrede nutzen l\u00e4sst, klare gesellschaftliche Positionen einzunehmen, erscheint Philipp Ikrath als vertretbares Argument in einer immer komplexer werdenden Welt. Statt abgeschlossene Jugendkulturen zu besetzen wird aus der Geschichte der Popkultur \u201egesampelt\u201c. Ein Gl\u00fcck f\u00fcr die \u201e\u00e4ltere Generation\u201c. Denn diese \u201eSzenesampling\u201c macht es einem 40j\u00e4hriger wie Yessica Yeti einfacher, in Clubs zu gehen, ohne sich peinlich und verloren zu f\u00fchlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hyperschrei und Drei-Faltentum \u00dcber das Erwachsenwerden in und mit Popkultur Zur Zusammenfassung der Diskussion Download Komplett-Mitschnitt (MP3, ca. 34 MB) Von Mod bis Hipster &#8211; schon immer gab es bestimmte Zugeh\u00f6rigkeiten, Szenen und Fankulturen, zu denen man sich als Jugendlicher hingezogen f\u00fchlte. 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