{"id":1038,"date":"2011-03-14T19:56:24","date_gmt":"2011-03-14T18:56:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.leipzig-popup.de\/?page_id=1038"},"modified":"2016-03-04T14:32:13","modified_gmt":"2016-03-04T13:32:13","slug":"laptops-auf-der-buhne","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/leipzig-popup.de\/?page_id=1038","title":{"rendered":"Laptops auf der B\u00fchne"},"content":{"rendered":"<p><strong>Schalt mich ein und schalt mich aus , die Gef\u00fchle m\u00fcssen raus!<\/strong><br \/>\n<em>Produzent, Instrument, Bandersatz \u2013 Fluch und Segen von Laptops auf der B\u00fchne<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#zusammenfassung\">Zur Zusammenfassung der Diskussion<\/a><\/p>\n<p><a href=\"stuff\/2011\/panelmitschnitte\/popup2011_panel_laptops.mp3\" Target=\"_blank\">Download Komplett-Mitschnitt<\/a> (MP3, ca. 34 MB)<\/p>\n<p>Das gro\u00dfe Kn\u00f6pfchendr\u00fccken ist er\u00f6ffnet! Klappe auf, Apfel an \u2013 und fertig ist der Laptop-Hit. Einfach die Bytes f\u00fcr sich arbeiten lassen, Komponieren ohne in die Saiten zu langen, Programmier- statt Notensprache \u2013 Bandmitglieder? Ich hab doch Ableton! <\/p>\n<p>Null-Eins, Eins-Null \u2013 dass der kleine Plastik-Helfer selbst gestandenen Musikern bei der Songbastelei unter die Arme greift, ist nicht neu. Nur scheint der Beep Beep Beep-Wahn auf den Konzertb\u00fchnen seit kurzem ungeahnte Ausma\u00dfe anzunehmen. Alle Welt fuchtelt mit Wii-Controllern um die Wette, verheddert sich in Loopschleifen und sampelt sich den Wolf. Der Rest vom PC-Sch\u00fctzenfest steht baumstammgleich hinterm Klappger\u00e4t, um drei Mal in der Stunde die Play-Taste zu dr\u00fccken \u2013 Live-Erlebnis? Pustekuchen! Strobo-Show hier, Live-Visuals da \u2013 damit der geneigte H\u00f6rer trotzdem was zu gucken hat, wird mit Schmackes in der Effekt-Trickkiste gew\u00fchlt. Audiovisuelles Sinnspektakel oder Ablenkungsman\u00f6ver? Eine Szene vermeintlicher Individualisten mit Notationsprogramm-Bedienungsanleitungen unter dem Arm streicht Saiten, Snare und Studioaufenthalte, der Monitor mutiert zum digitalen Bandproberaum. Das Land der unbegrenzten M\u00f6glichkeiten liegt nur einen Mausklick weit entfernt \u2013 die musikalische Vereinnahmung durch den batteriebetriebenen Allesk\u00f6nner auch? Weil der Gitarrist die Live-Hook versemmelt, kommen die Riffs jetzt vom Band. Hinter der Unfehlbarkeit der Computer-generierten Tonspur versteckt es sich so sch\u00f6n \u2013 bis das SysErr-L\u00e4mpchen blinkt und man sich statt der Sanduhr den Sechssaiter zur\u00fcck auf die B\u00fchne w\u00fcnscht. <\/p>\n<p>Computer says no? Wir sagen ja! Lasst uns sprechen \u00fcber St\u00e4rken und Schw\u00e4chen der Laptoperitis. \u00dcber Computerbands und Bands mit Computer, \u00fcber Klanginnovationen und ihre Begrenztheit, \u00fcber Performances mit und ohne Schwei\u00df, Intervalle, Individualit\u00e4t und Interface \u2013 hier wird noch diskutiert statt programmiert!<\/p>\n<p><a name=\"zusammenfassung\"><\/a><em>Mit Marek Brandt (Klangk\u00fcnstler), Marion W\u00f6rle (Computermusikerin), Jacob Korn (Musiker, Cynetart), Jin Hyun Kim (Musikwissenschaftlerin), Ji-Hun Kim (De:Bug). <\/em><\/p>\n<h2>Die Zusammenfassung der Diskussion<\/h2>\n<p><strong>\u201eEin neuartiges Instrument, eine neue Form von Kunst\u201c<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"stuff\/2011\/panelmitschnitte\/popup2011_panel_laptops.mp3\" Target=\"_blank\">Download Komplett-Mitschnitt<\/a> (MP3, ca. 34 MB)<\/p>\n<p>Beim dritten Diskussionsforum der Pop Up X tauschten sich die drei Laptop- und Medienk\u00fcnstler Jacob Korn, Marion W\u00f6rle und Marek Brandt sowie die Musikwissenschaftlerin Jin Hyun Kim unter dem Titel \u201eSchalt mich ein und schalt mich aus, die Gef\u00fchle m\u00fcssen raus\u201c aus \u00fcber Fluch und Segen von Laptops auf der B\u00fchne. Moderiert wurde das Diskussionsforum von Ji-Hun Kim, Redakteur der de:bug.<\/p>\n<p>Einig waren sich alle Referenten dar\u00fcber, dass es bei einem so jungen Instrument wie dem Laptop  an ad\u00e4quatem Beschreibungsvokabular und Qualit\u00e4tskriterien mangele. So berichtete Marion W\u00f6rle, unter dem Namen \u201eFrau W\u201c Computermusikerin sowohl solo als auch in Ensembles mit klassischen Instrumenten, dass es bei der Zusammenarbeit mit Instrumentalisten schlichtweg an Wissen und auch Begriffen fehle, um beim gemeinsamen Komponieren und Improvisieren sich \u00fcber Klang und M\u00f6glichkeiten von Computermusik auszutauschen. Am Laptop kann es beispielsweise schon viel Zeit in Anspruch nehmen, einen simplen Effekt einzustellen \u2013 die Vielfalt an M\u00f6glichkeiten des Instruments ist daf\u00fcr enorm.<\/p>\n<p>Auch die koreanische Musikwissenschaftlerin Jin Hyun Kim betonte, dass herk\u00f6mmliche Konzepte von Musik nicht auf Computermusik anwendbar sind. Vielmehr handele es sich bei dem Laptop gewisserma\u00dfen um ein neuartiges Instrument, bei dem auch eine neue Form von Kunst entstehe, die sich jenseits bewege von Kategorien der Intentionalit\u00e4t und Repr\u00e4sentation und bei der die Idee des Musikers als Virtuosen ausgedient habe. Einerseits lassen sich mit einem Computer die Grenzen des K\u00f6rpers sprengen &#8211; Geschwindigkeit und Komplexit\u00e4t sind quasi keine Grenzen gesetzt &#8211;  andererseits liegt in der fehlenden K\u00f6rperlichkeit von Computermusik eben auch das Problem: Der Zuh\u00f6rer kann nicht mehr nachvollziehen, was sich auf der B\u00fchne und im Computer abspielt, und  es l\u00e4sst sich nicht mehr unterscheiden, welche Bewegungen inszeniert sind und welche tats\u00e4chlich einen Klang nach sich ziehen, so Jin Hyun Kim. Dabei hob der in Leipzig lebende Laptop-Musiker Marek Brandt darauf ab, dass ein Gro\u00dfteil der Musik zuhause vorprogrammiert werden muss, bevor ein K\u00fcnstler sich mit dem Laptop auf die B\u00fchne wagen kann, denn w\u00e4hrend des Auftrittes lassen sich Effekte oder Einstellungen kaum noch ver\u00e4ndern. Zumindest nicht, wenn es nicht vorgesehen ist wie beispielsweise in den interaktiven Werken Jacob Korns: Bei \u201eAutomatic Clubbing\u201c tanzt das Publikum in der Black Box \u201eComputermusik\u201c und kann so die Musik interaktiv beeinflussen. Neben dem interaktiven Einbezug des Publikums k\u00f6nnen auch andere Aspekte wie Visualisierung, interessante Auff\u00fchrungsorte oder ausgesprochen guter Klang zu einem verbesserten Live-Erlebnis f\u00fchren. Marion W\u00f6rle betonte zum Schluss des Diskussionsforums noch einmal: \u201eDer Fluch ist eigentlich auch ein Segen \u2013 die Barrieren, an die man st\u00f6\u00dft, sind immer auch M\u00f6glichkeiten.\u201c <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schalt mich ein und schalt mich aus , die Gef\u00fchle m\u00fcssen raus! Produzent, Instrument, Bandersatz \u2013 Fluch und Segen von Laptops auf der B\u00fchne Zur Zusammenfassung der Diskussion Download Komplett-Mitschnitt (MP3, ca. 34 MB) Das gro\u00dfe Kn\u00f6pfchendr\u00fccken ist er\u00f6ffnet! Klappe auf, Apfel an \u2013 und fertig ist der Laptop-Hit. 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